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Wo liegt eigentlich Sömmerda?

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Im grünen Herzen Deutschlands, in Thüringen, liegt die Stadt an den Ufern des Flusses Unstrut fast genau in der Mitte des Thüringer Beckens. Sie liegt etwa 30 km nördlich von der Landeshauptstadt Erfurt und auch fast genau so weit entfernt von der Klassiker- und Kulturstadt Weimar.

Das Thüringer Becken ist, wie der Name schon sagt, ein Flachland, welches vom Thüringer Wald im Süden und Südwesten, dem Hainich im Westen, der Hainleite (ein Gebirgszug am südlichen Rand des Harzes) im Norden, und der Gruppe Schmücke, Schrecke, Finne (ein Landschaftsschutzgebiet von fast 1000 Hektar Größe) im Nordosten gebildet wird. Quer durch das Thüringer Becken verlaufen die Autobahnen A4 und A71. Letztere führt dabei direkt am Städtchen vorbei.

Geschichte von Sömmerda

Wappen der Stadt Sömmerda
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Die Stadt Sömmerda wird erstmals im Jahr 876 urkundlich in einem Zehntenverzeichnis erwähnt. Über Jahrhunderte waren Sömmerda und Umgebung geprägt durch die Landwirtschaft und dabei speziell durch Anbau, Ernte und Verarbeitung der Pflanze Waid (Blaufärberpflanze). Das Stadtrecht wurde vermutlich im 17. Jahrhundert erteilt - es existieren keine Aufzeichnungen darüber. Der Dreißigjährige Krieg (1618-1648) war für Sömmerda, ebenso wie für viele andere Orte, eine sehr schwere Zeit. Die Stadt wurde häufig von raubenden und plündernden Truppen durchzogen. Weder die Truppen des Kaisers noch die Truppen der Schweden nahmen Rücksicht auf die Bevölkerung. Von den vormals über 300 Häusern der Stadt war nach dem Krieg nur noch rund ein Drittel bewohnt.

Im Jahre 1744 wurde Christian Gotthilf Salzmann in Sömmerda geboren, bevor er zum bekannten Aufklärer und Pädagogen wurde. Noch ein weiterer Einwohner Sömmerdas sollte sehr bekannt werden: Nikolaus Dreyse. Das Schicksal und Wohlergehen der Stadt war seit dem 18. Jahrhundert untrennbar mit dem Schicksal und Wohlergehen der Fabrik des Herrn Dreyse verbunden.

Der Schlossergeselle verließ nach seiner Gesellenprüfung im Jahre 1806 Sömmerda und kehrte nach mehrjähriger Wanderschaft im Jahre 1814 wieder nach Sömmerda zurück. Während den Jahren seiner Wanderschaft kam er auch nach Paris. Unter dem dort gerade herrschenden Kaiser Napoloen I. lernte er nicht nur fortschrittliche Zustände kennen, sondern konnte sich auch Kenntnisse in Mathematik, Mechanik und Chemie aneignen. Er arbeitete dabei auch in der Waffenfabrik des eingewanderten Schweizer Offiziers Pauli. Nach seiner Rückkehr legte Dreyse die Meisterprüfung ab und übernahm 1815 die Werkstatt seines Vaters.

Johann Nikolaus Dreyse
Johann Nikolaus von Dreyse
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Im Jahre 1817 gründete Dreyse zusammen mit dem Erfurter Knopffabrikanten Kronbiegel eine Knopf-, Nägel-, Striegel- und Fensterbeschlagfabrik unter dem Namen "Dreyse und Kronbiegel". Durch die Weiterentwicklung der Waffentechnik erkannte Dreyse einen neuen Absatzmarkt und eröffnete mit dem ehemaligen Buchhalter Kronbiegels die Zündhütchenfabrik "Dreyse & Collenbusch". Im April 1826 erhielt er ein Patent der königlich preußischen Regierung für eine verbesserte Variante der Zündhütchen.

Im Jahre 1827 begann die Wende für Dreyse - er stellte das erste Zündnadelgewehr her. 1835 hatte er die Waffe weiter verbessert, indem er einen Hinterlader entwickelte und damit eine neue Epoche der Waffentechnik einläutete… Innerhalb weniger Jahre stieg die Anzahl der Beschäftigten der Firma "Dreyse & Collenbusch" von 34 im Jahr 1823 auf 493 im Jahr 1841 - bei zu dieser Zeit rund 3600 Einwohnern. Der Umsatz stieg dabei von ca. 8000 Taler auf 118300 Taler an.

Am 9. Dezember 1867 starb Nikolaus von Dreyse. 1876 wurde die Fabrik stark reduziert. Sie produzierte dann nur noch Zündnadel-Jagdgewehr und die dazugehörige Munition. Im Januar 1897 wurde die Firma in eine Aktien-Gesellschaft umgewandelt. Nach großen finanziellen Problemen im Jahr 1900 wurde die Firma am 31. März 1901 von der "Rheinischen Metallwaren- und Maschinenfabrik Düsseldorf-Derendorf" übernommen.

Bis zum ersten Weltkrieg durchlebte Sömmerda und die "Rheinmetall" mehrere Tiefen und Höhen. Während des ersten Weltkrieges lief die Prodoktion auf Hochtouren. Tausende Arbeiter kamen täglich aus den umliegenden Ortschaften nach Sömmerda in die "Rheinmetall". Nach dem Krieg wurde es wieder etwas ruhiger in und um Sömmerda. In der "Rheinmetall" begann man mit der Fertigung diverser ziviler Güter wie z.B. Schreibmaschinen (ab 1919) und Kardanwellen (ab 1925). Doch schon bald begann wieder die Produktion von Rüstungsgütern - der 2. Weltkrieg war nicht mehr fern…

Schreibmaschine aus der Rheinmetall
Schreibmaschine aus der Rheinmetall
(Lizenz: CC0, Quelle: Pixabay.com)
Nach Aussagen von Augenzeugen verdankt Sömmerda diesem Umstand seine Verschonung im 2. Weltkrieg - in Sömmerda fiel nicht eine einzige Bombe. Es wurden damals in den abgeschossenen Flugzeugen die Karten analysiert und dabei festgestellt, daß unter anderem Sömmerda besonders hervorgehoben war. Die damalige Vermutung war die, daß die Amerikaner vermutlich versuchen wollten, das Gebiet um Sömmerda zu erobern um die hier produzierten Rüstungsprodukte für eigene Zwecke nutzen zu können.

Nach dem Ende des Krieges wurde die Produktion von Rüstungsgütern beendet und die Produktion von Büromaschinen forciert - auch sichtbar durch die Umbenennung in "Büromaschinenwerk Sömmerda". Es folgte ein beständiges Wachstum des Betriebes und mit ihm der Stadt. In den Jahren der DDR war das Büromaschinenwerk der Arbeitgeber im Landkreis. Hauptaugenmerk lag damals auf der Fertigung der PC1715 und Konsorten.

Sömmerda heute

Die ehemalige Stadtmauer umschließt schon seit vielen Jahren nur noch einen kleinen Teil der Stadt. Die mit Abstand meisten Bewohner leben außerhalb dieser Mauern, die inzwischen auch nicht mehr vollständig vorhanden sind. Die noch stehenden Teile sind (einschließlich der Wehrtürme) in einem guten baulichen Zustand und werden gut betreut. Von ehemals vier Stadttoren ist nur noch eines erhalten. Das früher nach Erfurt führende Tor (genannt "Erfurter Tor") wurde zu einem Wahrzeichen Sömmerdas.

Damals wie heute ist das Zentrum der Stadt der Marktplatz mit seinem zweigeschossigen Rathaus (Renaissance). In unmittelbarer Nähe des Rathauses befindet sich eine großzügige Springbrunnenanlage mit Bänken. Da die gesamte Zone um den Marktplatz eine Fußgängerzone ist und die Seiten von Geschäften und gastronomischen Einrichtungen gesäumt werden, ist sowohl für den Einkauf als auch für die Erholung gesorgt.

Nicht weit des Rathauses befindet sich auch die Bonifaciuskirche (Spätgotik) und eine ehemalige (Wasser-)Mühle, die zeitweilig eine Gaststätte beherbergte. Zu besonderen Anlässen bestand die Möglichkeit, die Mühle in Aktion zu sehen. Auch das Pfarrhaus ist sehr sehenswert.

Trotz seiner langen Geschichte und seiner (zeitweiligen) großen Bedeutung für Sömmerda und den ganzen Landkreis hat das Werk die Wende nicht überstanden. Die meisten Arbeiter wurden entlassen, viele Gebäude wurden abgerissen oder gesprengt. Selbst Sömmerdas größter Saal wurde abgerissen. Heute ist das ehemalige Werksgelände ein sogenannter "Industriepark" mit vielen kleinen Firmen, die teils in renovierten, alten Gebäuden sitzen, teils in Neubauten.

Aber auch außerhalb des Stadtzentrums hat sich einiges getan. So entstand in der Nähe des größten Wohngebietes aus dem Nichts ein großes Einkaufszentrum. Dank eines Freibades, eines Hallenbades und einer recht bekannten Kanustrecke ist in Sömmerda auch für die Entspannung gesorgt. Leider haben wir seit der Wende kein Kino mehr - so viel Entspannung sollte wohl doch nicht sein. Seit einigen Jahren finden auf der Kanustrecke neben den üblichen Kanuwettkämpfen jeweils am letzten Wochenende im August Rafting-Veranstaltungen statt, an denen sich jeder beteiligen kann.